Zavarko & Co. entzaubern Titelverteidiger

Es war zwar der 1. April, doch zum Scherzen war am Sonntagabend in Bamberg keinem aus der Delegation des SKV Rot-Weiß Zerbst zumute. Denn gerade hatten die Titelverteidiger das Finale der Champions League (CL) im Classic-Kegeln gegen ZP Zeleziarne Podbrezova (SVK) knapp mit 2:6 (3725:3738) verloren.

„Klar bin ich enttäuscht. Wir waren zu Beginn des zweiten Durchgangs auf so einem guten Weg. Und plötzlich kommt der Einbruch“, legte SKV-Präsident Lothar Müller unmittelbar nach dem Spiel seine Gemütslage offen. Was war passiert?
Der Zerbster Motor stotterte am Start etwas, kam aber später besser auf Touren. Uros Stoklas (4:0, 635:553) entnervte seinen Gegner Bystrik Vadovic und ließ auch den Einwechsler Daniel Tepsa nicht zur Entfaltung kommen. Trotzdem gab es keinen sichtbaren Kegelvorsprung der Rot-Weißen, da gleichzeitig der Überflieger des Turniers, Vilmos Zavarko, erneut auftrumpfte und Mathias Weber (0:4, 623:693) abfertigte.

Überraschend stark präsentierte sich Milan Tomka, der im Halbfinale nicht spielte und den zu Beginn übernervös agierenden Jürgen Pointinger (1:3, 619:629) drei Bahnen lang dominierte. Teamkamerad Thomas Schneider beruhigte den CL-Neuling: „Du musst nichts Besonderes machen, spiel einfach dein Ding“. Dies wirkte und nach der Hälfte der Partie lagen die Zerbster zwar 1:2 nach Mannschaftspunkten (MP) hinten, aber mit zwei Kegeln in der Gesamtwertung vorn. „Da war noch alles möglich, wir holten ja gleich auf der kommenden Bahn fast 60 Kegel heraus“, schöpfte Müller zu diesem Zeitpunkt Hoffnung.

„Doch dann spielten die Slowaken so oft Neuner im Abräumen, wo bei uns meist schlechte Bilder gefallen sind“, haderte Müller auch mit dem Kegelschlag. Zwar kämpfte sich Schneider (2:2, 621:616) gegen Erik Kuna grandios zurück und holte auch noch seinen MP, aber der so stark gestartete Timo Hoffmann (1:3, 630:634) ließ nun Tomas Pasiak wieder ins Spiel kommen und gab den sicher geglaubten dritten MP ab. Da auch Youngster Manuel Weiß (2:2, 597:613) gegen Peter Nemcek erst spät in die Partie fand, jubelten die Slowaken am Ende über den 6:2-Sieg und den Triumph über den Titelverteidiger.

„Am Ende fehlten uns 13 Kegel, das ist gar nichts. Aber in den entscheiden Phasen haben wir nicht die entscheidenden Signale setzen können. Wir haben Podbrezova auch schon oft geschlagen, zuletzt im Vorjahr bei ihnen zu Hause. Heute haben sie es eben umgedreht. Schade“, zeigte sich SKV-Chef Müller aber auch als fairer Verlierer.

Das Halbfinale am Sonnabend war, im Gegensatz zum Finale, von Beginn an eine einseitige Angelegenheit. Teamchef Hoffmann hatte bei der Mannschaftssitzung noch vor der „Überraschung Szeged“ gewarnt und seine Mannen aufgefordert „den Gegner mit Konzentration, Überzeugung und entsprechender Körpersprache“ zu beeindrucken. Die Zerbster setzten die Marschroute exzellent um und machten gegen die Ungarn von Albardos Szeged von Beginn an extrem Druck.

Als Weber (3:1, 630:617), Stoklas (4:0, 652:590) und Pointinger (3:1, 629:561) allesamt die beiden ersten Sätze für sich entschieden hatten, war faktisch schon eine kleine Vorentscheidung über den Finaleinzug gefallen. Zwar ließen sich alle drei in einzelnen Phasen ihres Spiels sogar noch Luft nach oben, aber eine echte Punktechance für ihre ungarischen Gegenspieler gab es nicht und der Kegelvorsprung war mit plus 143 schon riesig.

Im zweiten Durchgang überzeugten auch Hoffmann (3:1, 644:590) und Schneider (3:1, 608:554). Lediglich Boris Benedik kam nicht in die Spur. Wie sich dann Weiß (gemeinsam 1:3, 593:661) als Einwechsler präsentierte, machte Mut für das Finale. „Manuel hat ein sehr gutes Spiel gemacht“, lobte auch sein Kapitän. So war der Finaleinzug mit 7:1 (3756:3573) eine unerwartet klare Angelegenheit.
Im zweiten Halbfinale am späten Sonnabendnachmittag hatte Podbrezova ebenso kaum Mühe, den KC Schwabsberg mit 7:1 (3711:3493) zu bezwingen. Dabei zeigte der derzeit wohl beste Kegler der Welt, Zavarko, mit 712 Kegeln deutlich auf, was auf den nicht einfach zu bespielenden Bamberger Bahnen möglich ist und auf was sich die Rot-Weißen im Finale einstellen müssen.

SKV-Sportwart Andreas Förster sah natürlich auch im Finale mit der starken Zavarko-Leistung einen der Trümpfe des späteren Champions League-Siegers: „Aber auch die Ergebnisse von Tomka und Pasiak waren entscheidend. Schade für uns. Jetzt übermannt mich gerade Traurigkeit, aber auch Respekt für die Leistung des Gegners. Das ist eben Sport“.

Schließlich machte auch Hoffmann seinen Frieden mit dem Ergebnis: „Wir haben alle gekämpft. Auf internationaler Ebene geben eben Kleinigkeiten den Ausschlag. Jetzt sind wir erstmal enttäuscht, aber mit ein bis zwei Tagen Abstand können wir uns sicher auch über den zweiten Platz freuen.“
Förster blickte ohne Aprilscherz auch schon wieder nach vorn: „Aber es geht weiter. Wir greifen wieder an. Zippel Zerbst.“

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Den DKBC-Imagefilm mit Thomas Schneider gibt es hier...

http://www.dkbc.de/fileadmin/videos/DKBC%20Imagefilm%20-%20MP4%20HD.mp4