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Scheinbar klar und doch spannend

8:0. Das Ergebnis scheint klar. Doch der Verlauf des Viertelfinalhinspiels der Zerbster Kegler gegen Mertojak Split war am Sonnabend alles andere als langweilig und eindeutig.

Klar war ein deutlicher Erfolg im Heimspiel gegen die starken Kroaten das Ziel des SKV Rot Weiß Zerbst. Schließlich geht es ja in drei Wochen in Split auf fremder Bahn um nichts Geringeres als den Einzug ins Finalturnier der Champions League. Doch dass es am Ende auch tatsächlich ohne Punktverlust bei 3828:3697 Kegeln für die Rot-Weißen ausging, war keineswegs selbstverständlich und harte Arbeit gegen sehr gute Gäste.
Im Team der Kroaten standen immerhin auch einige Weltklasse-Spieler. Und so verlief auch der Start in die Partie. Hrvoje Marinovic, einer der besten Kegler der Welt, setzte den Zerbster Vize-Weltmeister Manuel Weiß (2:2, 653:650) kräftig unter Druck. Nach 0:2-Rückstand kämpfte sich der Zerbster aber wieder mit einer grandiosen 188er Bahn ins Spiel zurück und holte tatsächlich mit dem letzten Wurf noch den schon verloren geglaubten Mannschaftspunkt (MP).
SKV-Teamchef Timo Hoffmann hatte schon vor dem Spiel gewarnt, sich „nicht nur auf Marinovic zu konzentrieren“. Wie recht er hatte, bekam Mathias Weber (2:2, 633:614) zu spüren. Auch er lief im letzten Satz gegen Ivan Totic lange einem Rückstand hinterher und musste schon mit einem Zauberwurf aufwarten, um dann doch den MP mit dem letzten Wurf noch zu gewinnen.
„Da hätten wir auch 0:2 hinten liegen können“, war SKV-Präsident Lothar Müller nach dem Spiel erleichtert.

Auch im Mittelblock hielten die Gäste stark dagegen. Auch wenn sowohl Thomas Schneider (3:1, 628:599) als auch Jürgen Pointinger (3:1, 640:614) am Ende ihre Duelle deutlich gewannen, waren die einzelnen Satzergebnisse gegen Nikola Muse und Dimitar Dimitrovski häufig sehr eng. Aber gerade im Abräumen hatten die Rot-Weißen immer die besseren Kugeln und erkämpften so den beruhigenden 4:0-Zwischenstand bei nun schon 75 Kegeln Vorsprung.

Jetzt wollten sich natürlich auch die
Zerbster Schluss-Spieler nicht lumpen lassen. Hoffmann (3:1, 650:606) startete wie die Feuerwehr mit sage und schreibe 117 Kegeln ins Volle-Bild. Das Zerbster „Stadtwerke Kegelsportcenter“ stand Kopf und die Fangesänge der Gäste verstummten nun fast gänzlich. Der Zerbster Kapitän ließ dem Youngster der Kroaten, Mihael Grivicic, keine Chance.
Etwas schwerer tat sich da Boris Benedik (2,5:1,5; 624:614) mit Andrej Kovac. Nach Satzrückstand kämpfte sich der Slowene aber mit unbändigem Siegeswillen ins Spiel, wechselte sogar in die ungeliebte rechte Gasse und holte auch den letzten zu vergebenden MP nach Zerbst.

„Wer nur das Ergebnis liest, glaubt sicher, dass es ein leichtes Spiel mit dem erwartet deutlichen Ausgang war. Aber das war ein harter Kampf und der hätte auch viel enger ausgehen können“, war Kapitän Hoffmann erleichtert ob des klaren Erfolges und stolz auf die starke kämpferische Leistung seiner Jungs.
Am Ende steht ein souveränes 8:0. Trotz der knappen Duelle hat hier wohl auch ein wenig das Glück des Tüchtigen gewirkt. „Damit haben wir einen super Grundstein gelegt für das Rückspiel. Das muss reichen. Dann können wir uns im Final Four in Zapresic hoffentlich für die Weltpokal-Niederlage revanchieren“, freute sich Präsident Müller und blickte schon bis in den März voraus.
Und Hoffmann lobte nochmals sein Team: „Wenn man sieht, dass der schlechteste Spieler 624 Kegel und der beste 653 spielt, ist das schon eine sehr geschlossene Teamleistung.“ Auch der Kapitän meinte: „Das Glück muss man sich auch verdienen, wobei die Punktgewinne am Start eher kein Glück waren. Da sind wir konsequent dran geblieben und haben die Gegner in den entscheidenden Phasen förmlich zu Fehlern gezwungen.“

Mit dem Blick auf das Rückspiel meinte er: „Jetzt haben wir natürlich eine wirklich hervorragende Ausgangsposition fürs Weiterkommen. Das 8:0 ist ein Traum, ein absoluter Traum. Wir fliegen aber trotzdem mit voller Kapelle nach Split. Und dann natürlich auch, um das Spiel zu gewinnen und nicht um irgendwie den einen Punkt zu holen.“
Thomas Schneider scherzte am Rande, dass es ja in Split „noch nicht so warm ist, um sich am Strand zu vergnügen. Da wird noch mal alles rausgeholt“.
Schnell ging Hoffmann auch wieder in den Liga-Alltag zurück und machte sein Team schon für das Bundesligaspiel gegen Breitengüßbach am kommenden Sonnabend heiß: „Das ist das Team, gegen das wir diese Saison verloren haben. Da müssen wir zeigen, dass das hier auf unserer Bahn anders geht.“

In den weiteren Champions League-Partien gab es ebenfalls keine Überraschungen. Podbrezova (SVK) siegte sicher 7:1 gegen Maribor (SLO). Spannend könnte es noch in den Rückspielen der beiden anderen Duelle zugehen. Zap-resic (CRO), Gastgeber des Finalturniers, musste sich daheim gegen die Serben aus Belgrad mit einem 5:3 zufrieden geben und hat in drei Wochen noch eine ähnlich schwere Aufgabe vor sich, wie Szeged, die im ungarischen Derby gegen
Zalaegerszeg mit 6:2 gewinnen konnten.
Für die Zerbster Spitzenkegler ist das Tor nach Zapresic weit geöffnet. Nun heißt es, sicher durchzugehen. Doch Achtung: Auch das Rückspiel wird keinesfalls eindeutig und langweilig.

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