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Spiel als Werbung für Frauen-Kegelsport

Am Sonntag lag im „Stadtwerke Kegelsportcenter“ eine Sensation in der Luft. Die Frauen vom SKV Rot Weiß Zerbst hatten im DKBC-Pokal-Viertelfinale die des SKC Victoria Bamberg lange Zeit am Rande einer Niederlage. Der Favorit zeigte dann aber im Schlusspaar seine ganze Klasse, drehte das Spiel und jubelte über den Einzug ins Final Four.

Was für ein Spiel!!! Dass die Zerbsterinnen so gut dagegen halten, ja sogar so viele Duelle gewinnen können, hätte im Vorfeld wohl keiner gedacht.
Die Bamberger reisten zwar mit ihrer zweiten Mannschaft, immerhin Zweiter der 2. Bundesliga Mitte, verstärkt mit zwei Bundesliga-Spielerinnen an. Das Zerbster Startpaar Tanja Dayß und Christel Klang schien beeindruckt und kam erst schleppend in die Gänge. Aber in der Folge lief es immer besser für die Rot-Weißen, so dass Dayß gegen Carolin Eigler mit 3:1 Satzpunkten (SP) und 569:553 Kegeln punktete. Auch Teamleiterin Klang sicherte nach zwei schwächeren und zwei starken Bahnen gegen Sandra Langner nach Punkteteilung aufgrund der mehr erspielten Kegel (544:539) den Mannschaftspunkt (MP).
Die Zuschauer in der voll besetzten Kegelhalle waren begeistert und feuerten „ihre Frauen“ euphorisch an. Da gingen auch die Gesänge der Bamberger Fangemeinde etwas unter.

 

Der Sensation ganz nah

In der Mitte kämpften Franziska Herold und Anja Heydrich enorm. Herold lieferte sich ein spannendes Duell mit Anne Tonat, das sie nach 2:2 SP mit einem Kegel mehr gewinnen konnte (542:541). Heydrich, die nach schwächerer erster Bahn (128:150) ganz stark zurück kam und sich von Bahn zu Bahn steigerte, trumpfte gegen Laura Lambrecht auf und sicherte nach 2:2 SP (562:553) den vierten MP für die Zerbsterinnen. Diese hatten sich nun auch mit 31 Kegeln etwas abgesetzt und hatten auch 9:7 SP.
Das Zerbster Schlusspaar Petra Leps und Jennifer Bache sollte den Sieg nun absichern. Beide hatten es jedoch mit den besten Gästespielerinnen zu tun, die die Gesamtkegel bereits nach den ersten 30 Wurf in eine knappe Führung umdrehen und auch die SP zum 9:9 ausgleichen konnten. Nun begannen die Rechenspiele und die Spekulation über ein Sudden Victory machte sich breit. Leps konnte trotz guten Spiels und einem starken Ergebnis von 562 Kegeln gegen Bundesliga-Spielerin Melissa Stark keinen SP erringen. Sie unterlag der mit sehr guten 613 Kegeln Tagesbesten mit 0:4. Als Bache nach zwei verlorenen Sätzen den dritten Satz mit 152:134 Kegeln gewann und auch den Kegelrückstand auf minus 13 verkürzte, war die Sensation wieder präsent. Aber Sandra Karl trumpfte auf der letzten Bahn mit 165:131 Kegeln auf und verhalf der Victoria zu ihrem äußerst knappen Erfolg. Die Partie endete 4:4-unentschieden und die Bambergerinnen gewannen mit einem Kegelpuls von 67 und 14:10 SP.


Applaus trotz Niederlage
Klar waren die Zerbsterinnen erst einmal bitter enttäuscht. Aber die Fans und Zuschauer applaudierten ihnen noch lange, denn sie boten ein Spiel, das an Spannung und Stimmung nicht zu überbieten war. Es war Werbung für den Frauen-Kegelsport, der längst nicht den Stellenwert besitzt, den er eigentlich verdient hätte. Und sie bewiesen, dass sie mit einem Zweitbundesliga-Team mithalten können. Das macht Hoffnung. Denn wenn die Zerbsterinnen, als frischgebackener Landesmeister, die Relegation für die 2. Liga schaffen sollten, ist es gewiss, dass sie in der zweithöchsten Liga Deutschlands eine Rolle spielen können.
„Es war ein sehr aufregendes und sehr interessantes Spiel. Mit dem 4:4 sind wir zufrieden, hätten natürlich gern mehr Satzpunkte erzielt, um noch zum Sudden Victory zu kommen. Aber es war leider nicht mehr drin. Trotzdem ist es für uns ein gutes Ergebnis. Wir konnten gegen so eine Spitzenmannschaft vier Mannschaftspunkte holen und das ist sehr positiv“, war Teamleiterin Christel Klang trotz der schmerzlichen Niederlage nicht unzufrieden.
Im Anschluss spendierte SKV-Präsident Lothar Müller, der „stolz“ auf „seine Frauen“ war, noch eine Runde Sekt und so wurde gemeinsam mit dem Kegel-Landeschef Wolfram Beck, der vor dem Spiel den „Mädels“ die Medaillen für den Staffelsieg in der Verbandsliga überreichte, angestoßen.

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