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Tor zum Viertelfinale weit aufgestoßen

Kegeln auf Weltklasse-Niveau! Das ist der interessierte und informierte Kegel-Zuschauer in Zerbst ja mittlerweile gewohnt. Das Champions League-Achtelfinal-Hinspiel des SKV Rot Weiß gegen die Slowaken vom SKK Trstena Starek untermauerte dies am Sonnabend wieder einmal eindrucksvoll. Die Gastgeber gewannen am Ende deutlich mit 8:0 (4061:3822). Doch so klar, wie es da Ergebnis aussagt, war die Partie keinesfalls.
Das Zerbster „Stadtwerke Kegelsportcenter“ war perfekt vorbereitet, um auch unter „Corona-Bedingungen“ mit der 2G+-Regel Top-Kegelsport zu bieten. Die geforderten zusätzlichen Tests auch für die Geimpften und Genesenen hielten allerdings doch einige Zuschauer fern, so dass die Halle am Zerbster Schützenplatz nur halb gefüllt war. Trotzdem wurde es ein mit Top-Leistungen und engen Duellen angefüllter Kegel-Nachmittag.
Die Qualität, die in beiden Mannschaften steckt, zeigte sich schon allein darin, dass insgesamt zehn der zwölf Spieler bei der kürzlich ausgespielten Team-Weltmeisterschaft für ihre jeweilige National-Mannschaft im Aufgebot standen. Die Zerbster haben ja bekanntlich mit ihren zwei Serben und den deutschen Nationalspielern sogar die Gold- und Silbermedaillen-Gewinner von Podgorne (POL) in ihren Reihen. Auf Seiten von Trstena standen zwei polnische und zwei slowakische Nationalspieler im Kader.
Die Zerbster hatten sich für das Heimspiel einen klaren Sieg zum Ziel gesetzt, um „für das Rückspiel ein sicheres Polster“ aufzubauen, so der Team-Kapitän Timo Hoffmann bei der Eröffnung. Doch zu Beginn zeigten die Slowaken gleich, dass dies kein leichtes Unterfangen werden würde.
Starke Leistungen
Mikolaj Konopka setzte Manuel Weiß mit zwei Satzgewinnen gleich mächtig unter Druck und alles schien auf einen Punktverlust des Zerbsters hinzudeuten. Doch dann drehte Weiß auf und bekam auch die zuvor scheinbar zu glatten Kugeln in den Griff. Mit zwei superstarken Bahnen holte er nicht nur die zwei notwendigen Sätze, sondern auch jeweils 20 Kegel zurück, so dass er am Ende mit neun Pluskegeln bei Satzgleichstand (2:2, 665:656) gewann und jubeln konnte.
Gleichzeitig startete auch Peter Sibal mit einem Satzgewinn gegen den Zerbster Bahnrekordhalter Christian Wilke. Doch der spielte sich nun in einen wahren Rausch und ließ die Zerbster Zuschauer jubeln. Mit drei Top-Durchgängen und wahnsinnigen 285 Abräumern ließ er seinem sehr guten Gegner beim 3:1 mit der Spitzenleistung von 712:661 Kegeln keine Siegchance.
Im Mittel-Durchgang hatte der frischgebackene Team-Weltmeister Robert Ernjesi nur wenig Mühe mit Martin Starek. Zwar traf der Chef des Namenssponsors der Slowaken mit seiner extrem scharfen Kugel ins Vollebild sehr gut, aber im Abräumen ließ er gegen Ernjesi immer wieder viele Kegel liegen, so dass der SKV-Athlet klar mit 3:1 (672:618) die Oberhand behielt.
Viel knapper verlief das Parallel-Duell zwischen Jürgen Pointinger und dem zweiten polnischen Nationalspieler Michal Szulc. Der Pole ging mit 1:0 und 2:1 zweimal in Führung, hatte auch auf der Schlussbahn nach den Vollen klar die Nase vorn (insgesamt 18 Kegel). So sah alles nach dem ersten Punktverlust der Gastgeber aus. Doch Pointinger räumte stark ab und Szulc „zerschoss“ sich sein letztes Kegelbild dermaßen, dass der Zerbster tatsächlich mit dem letzten Wurf noch am Polen vorbeizog und bei Satzgleichheit mit 643:642 gewann. Dass war wohl das Glück des Tüchtigen.
So war also trotz teils enger Spielausgänge das angestrebte 8:0 für die Rot-Weißen greifbar.
Entsprechend fulminant begannen die Zerbster Schluss-Spieler. Igor Kovacic, der schon bei der WM gegen den slowakischen Nationalspieler Lukas Juris knapp gewonnen hatte, holte sich die ersten drei Sätze und hatte so sein Duell früh entschieden. Sein Gegner gab sich aber nicht auf, nutzte die Schwäche des Zerbsters auf seiner Schlussbahn aus und überspielte ihn nach Kegeln noch knapp. Der Mannschaftspunkt blieb aber trotz der 639:643 Kegel bei 3:1 Sätzen auf SKV-Seite.
Was gleichzeitig der Zerbster Kapitän auf die Bahn zauberte, ließ seinem Gegenspieler Martin Kozak (0:4, 602) nur die Möglichkeit zum Staunen. Hoffmann spielte alle seine Bahnen auf absolutem Top-Niveau (186, 188, 175, 181). Bis kurz vor Schluss war er sogar auf Kurs Bahnrekord. Diesen verdarb er sich erst mit zwei etwas ungenauen Anwürfen im letzten Abräumen, so dass ihm am Ende bei seiner persönlichen Bestleistung von überragenden 730 Kegeln genau neun Kegel zum Rekord fehlten.
Einziger kleiner Wermutstropfen in einer überragenden Weltklasse-Partie, der den Zerbster Teamchef aber „überhaupt nicht interessiert“. „So ein Rekord ist eigentlich zu nichts gut. Für mich zählt hier nur die Mannschaft und nicht der Einzelne“, meinte er mit einem ehrlichen Lächeln.
So war das Ziel, das Hinspiel verlustpunktfrei zu gestalten, erreicht. „Das war unser Plan. Und dass wir eigentlich auch die höhere Qualität in unserer Mannschaft haben, war uns vorher klar. Die mussten wir nun aber auch auf die Bahn bringen und das haben wir getan“, meinte der 51-Jährige zufrieden.
Die Gäste haderten etwas mit ihren ungenutzten Chancen, sprachen davon, dass sogar ein 3:5 aus ihrer Sicht möglich gewesen wäre. Aber die Rot-Weißen hatten gerade in den engen Situationen eben immer die richtigen Antworten und natürlich auch das nötige Glück. „Es ist gut, dass wir hier auch richtig gefordert werden. Das ist ja schließlich Champions League“, meinte der SKV-Kapitän zu den teils engen Duellen.

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