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Rückspiel wird absolut heiße Nummer

Wann gab es das zum letzten Mal? Nach zwei Dritteln des Champions League-Viertelfinals der Zerbster Spitzenkegler im heimischen „Stadtwerke Kegelsportcenter“ lag der Gastgeber gegen den Liga-Konkurrenten TSV Breitengüßbach sage und schreibe mit 1:3 Mannschaftspunkten (MP) und 42 Kegeln im Hintertreffen. Der Heimnimbus der Rot-Weißen drohte zu brechen. Doch das Zerbster Schlusspaar spielte nochmals groß auf und rettete den Sieg mit 5:3 MP bei 3931:3862 Kegeln.
Teamchef Timo Hoffmann sprach von einem „blauen Auge“, mit dem seine Mannschaft im „schlechtesten Spiel der Saison“ noch einmal davon gekommen sei.
Die Zielstellung war eindeutig. Hoffmann meinte schon bei der Spieleröffnung: „Wir wollen uns eine gute Ausgangssituation für das Rückspiel verschaffen. Ich glaube, das wird hier ein interessantes Spiel, endlich auch wieder vor Zuschauern.“ Gleiches erwiderte der Breitengüßbacher Kapitän Tobias Stark, dessen Wunsch mit den drei erzielten MP und den elf gewonnenen Sätzen wohl eher erfüllt wurde.
Gleich zu Beginn setzte der auch in der Liga superstarke Mario Nüsslein (675) Dominik Kunze (154, 143) mit zwei überragenden Bahnen dermaßen unter Druck, dass die Gastgeber schon hier auswechseln mussten.
Zwar spielte der eingewechselte Jürgen Pointinger (zusammen 613) etwas besser, hatte aber gegen den Güßbacher keine Chance zum Satzgewinn. So hatten die Gäste die ersten vier Sätze und den ersten MP bereits hier eingefahren.
Glücklicherweise aus Zerbster Sicht hielt Bahnrekordhalter und DKBC-Sportler des Jahres Christian Wilke mit extrem guter Leistung seine Mannschaft im Spiel. Gegen Patrick Leitner (609) holte er ebenfalls alle Sätze, überspielte die magische 700er Marke mit 717 Kegeln und bewies mit seiner 203er dritten Bahn, was auf der Zerbster Anlage alles möglich ist.
Auf ihrer Heimbahn von den Zerbster Anhängern fast für unmöglich gehalten, setzten sich die Oberfranken im Mittelpaar sogar deutlich ab. Zwar hätte Robert Ernjesi (607) fast noch mit den letzten Würfen gegen den nach Kegeln deutlich besseren Christian Jelitte (652) mit 3:1 gewonnen, doch nur 45 Abräumer auf der letzten Bahn und katastrophale 131 Kegel auf seiner zweiten Bahn, auf der Jelitte mit 195 den riesigen Vorsprung erspielte, sorgten für den zweiten MP der Gäste.
Gleichzeitig spielte Daniel Aubelj (640) zwar konstant, war aber gegen seinen ehemaligen Teamkameraden, Florian Fritzmann, chancenlos. Erst zu Saisonbeginn wieder nach Breitengüßbach zurück gewechselt, lag der Familienvater lange Zeit ebenfalls auf 700er-Kurs, verpasste diese Traumzahl zwar knapp (683), holte aber weitere drei Sätze und den dritten MP für die Gäste.
Nun war es an den Schluss-Spielern der Zerbster, die Ausgangssituation für das Rückspiel noch irgendwie zu retten. Dies gelang sehr gut. Igor Kovacic (655:606) nutzte die zwischenzeitlichen Schwächen von Marco Scheuring aus und holte souverän sein Duell.
Im Wettstreit der beiden Kapitäne, Hoffmann gegen Stark, startete der Breitengüßbacher zwar überragend (192), hatte allerdings dem konstant auf höchstem Niveau weiterspielenden Hoffmann im weiteren Spielverlauf nicht mehr viel entgegen zu setzen. Der letzte MP ging mit 3:1 und 699:637 Kegeln nach Zerbst und das Schlusspaar hatte auch den Kegel-Rückstand noch in einen deutlichen Vorsprung gedreht.
Bei der Verabschiedung sprach Kapitän Timo Hoffmann vom „erwartet schweren Fight“, aber auch vom „nach dem Gesamtergebnis schlechtesten Spiel seines Teams der Saison“. „Man spielt immer so gut, wie es der Gegner erlaubt. Ihr habt immer sehr hohen Druck auf uns ausgeübt. Wir waren heute nicht ausgeglichen genug, um das Ganze deutlicher zu gestalten.“
Er beglückwünschte die Gäste zu ihrer starken Leistung und bedankte sich herzlich bei den lautstarken Zuschauern. Wenn das Ganze auch noch vor leeren Rängen gewesen wäre, wär es vielleicht noch schwieriger gelaufen.“
In der Auswertung des Spiels im Mannschaftskreis ließ er seinem Ärger freien Lauf: „Es geht einfach nicht, dass wir uns immer auf die Gleichen verlassen und schon die Körpersprache für die Gegner alle Türen öffnet. Da muss deutlich mehr kommen. Jeder muss sich an die eigene Nase fassen, das muss als Mannschaft funktionieren, wenn wir unsere großen Ziele erreichen wollen.“
Zum Rückspiel in drei Wochen in Eichenhüll, die Heimbahn der Oberfranken ist für internationale Spiele nicht zugelassen, erwartet Hoffmann eine „absolut heiße Nummer“. „Wenn wir hier so spielen, müssen wir eben versuchen, den Einzug ins Finalturnier in Eichenhüll zu sichern.“
Der Breitengüßbacher Kapitän war mit dem Resultat „sehr zufrieden“. „Die verdienten MP bringen für das Rückspiel auf alle Fälle noch Einiges an Spannung.“
In den anderen drei Viertelfinal-Spielen gab es teils überraschende Ergebnisse. Die Chambtalkegler aus Raindorf um dem Ex-Zerbster Mathias Weber gewannen in Bamberg mit 6:2 und haben bereits mehr als einen Fuß im Final Four.
Podbrezova (SVK) gewann sein Heimspiel erstaunlich souverän mit 7:1 gegen Zapresic (CRO). Im Kampf um den Halbfinalgegner des Siegers zwischen Zerbst und Breitengüßbach holten sich die Österreicher aus Orth recht überraschend drei Mannschaftspunkte gegen Neumarkt (ITA) mit Vilmos Zavarko. Die Italiener hatten dabei sogar noch Glück, nicht auch noch die Gesamtkegel (3723:3717) und damit die Partie gänzlich zu verlieren. Für die Rückspiele am 19. Februar ist also auf allen Anlagen für Spannung gesorgt.

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