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Zavarko wartet im Halbfinale

Ein Finalturnier der Champions League ohne den SKV Rot Weiß Zerbst schien in den vergangenen 15 Jahren kaum möglich. Nur 2013 schieden die Rot-Weißen im Viertelfinale gegen Belgrad aus. Doch auch in dieser Saison haben die Zerbster Spitzenkegler, trotz schwieriger Ausgangslage, den Sprung unter die besten vier Teams in der Königsklasse geschafft.
Denn nach dem 5:3-Heimsieg gegen den Ligakonkurrenten TSV Breitengüßbach siegten die Hoffmann & Co. auch auswärts in Eichenhüll mit 5:3 (3863:3710). Und das in überzeugender Art und Weise mit neuem Mannschaftsbahnrekord.
Vor dem Spiel gingen die Meinungen über die Chancen der „Heimmannschaft“ gegen den Zerbster Favoriten auseinander. Denn schließlich mussten sich auch die Güßbacher auf eine weitgehend fremde Bahn einstellen, da ihre eigentliche Heimbahn nicht die Vorgaben der NBC für die Champions League erfüllt.
Während der Breitengüßbacher Kapitän Tobias Stark, ähnlich wie SKV-Teambetreuer Andreas Förster, durchaus gute Chancen für ein „enges Spiel“ sah, waren die Zerbster um ihren Teamkapitän Timo Hoffmann optimistisch, den Sieg und das Weiterkommen genau dann problemlos zu schaffen, wenn sie ihre „tatsächliche Leistungsfähigkeit auch abrufen“ können.
„Eine so schwache Partie, wie im Hinspiel, können, wollen und werden wir uns nicht noch einmal leisten. Das war das wohl schlechteste Spiel seit drei Jahren“, meinte er und motivierte seine Jungs damit offensichtlich richtig.
Denn trotz der starken und kegelschlagtechnisch auch glücklichen Leistung von Mario Nüsslein (657), der den mit 173 Kegeln sehr gut startenden Robert Ernjesi (626) mit 3:1 niederrang, führten die Zerbster nach dem Startpaar bei 1:1 Mannschaftspunkten (MP) schon mit über 50 Kegeln im Gesamtergebnis.
Dafür trug hauptsächlich der überragend aufspielende Christian Wilke (4:0, 663), der Marco Scheuring (581) kaum Luft zum Atmen ließ. Damit hatten die Startspieler den Auftrag ihres Kapitäns, „von Beginn an Druck aufzubauen“, super erfüllt.
Wilke war mit seiner Leistung „zufrieden“, bemerkte aber, dass er „in früheren Spielen hier schon deutlich höhere Ergebnisse gesehen und auch selbst gespielt“ hatte. „Hier gab’s immer mal Freundschaftsvergleiche oder auch Einzelmeisterschaften“, meinte der Familienvater, der gleich nach seinem Einsatz wieder von seiner Tochter als Spielpartner in Beschlag genommen wurde.
Das Viertelfinale blieb auch nach dem Mitteldurchgang zumindest punktetechnisch spannend, denn wieder holte sich jedes Team ein direktes Duell. Dabei verlor Dominik Kunze (623) nach zwei sehr guten Bahnen etwas die Linie und seinen ehemaligen Teamkollegen Florian Fritzmann (659) ein wenig aus den Augen. Der Zerbster musste seinen MP mit 1:3 an die Gastgeber abgeben.
Allerdings bot gleichzeitig Manuel Weiß (646) gegen Christian Jelitte (597) besonders im Vollespiel (434) eine wahre Galavorstellung und raubte seinem erfahrenen Gegenspieler da jeweils schon etwas die Nerven. Er zog ihm beim 3:1 nach Sätzen frühzeitig den Nerv und baute den Gesamtkegelvorsprung der Rot-Weißen auf 64 Kegel aus.
Diesen musste das Schlusspaar halten, um den knappen Hinspielsieg mit einem 4:4-Unentschieden zum Weiterkommen zu vergolden. Allerdings wollten Kapitän Hoffmann und der zuletzt so starke Igor Kovacic mehr. Hoffmann spielte zwei Bahnen wie aus einem Guss (348), ließ sich aber nach einer schlechteren dritten Bahn, das Spiel war da bereits entschieden, auswechseln.
Daniel Aubelj (zusammen 2:2, 634) brachte das Spiel ordentlich zu Ende, konnte bei Satzgleichstand aber die Duell-Niederlage gegen Christopher Wittke (648) nicht mehr ganz verhindern.
Kovacic hatte nach durchwachsenem Beginn gegen den Güßbacher Kapitän Stark (568) wenig Mühe, holte sich alle Sätze und mit drei überragenden Bahnen sogar noch den Tagesbestwert von 671 Kegeln.
Damit stand der 5:3-Erfolg der Zerbster fest, der gleichzeitig den erneuten Einzug ins Final Four im ungarischen Pápa sicherte. Dort treffen die Rot-Weißen am 2. April auf die Italiener vom KK Neumarkt um Vilmos Zavarko und Tamas Kiss, die, nach dem nur knappen 5:3-Sieg daheim, in Österreich beim KSK Union Orth recht klar mit 7:1 gewannen und durch Zavarko und Kiss auch noch zwei 700er Ergebnisse erspielten.
Nach dem Spiel in Eichenhüll gratulierte Stark im Namen der Breitengüßbacher fair zum verdienten Sieg, sprach aber auch von „teilweise selbst verdorbenen Duellen“. Der Zerbster Vereinspräsident Lothar Müller, der von einer DKBC-Präsidiumssitzung auf dem Rückweg in Eichenhüll „vorbeischaute“, war froh über die „guten Ergebnisse und den Einzug ins Final Four“. SKV-Teamchef Hoffmann sah ebenfalls einen absolut „verdienten Erfolg“ seines Teams: „Zwar haben wir jetzt wieder ein 5:3, aber dieses hier gefällt mir viel besser, als das von vor drei Wochen. Wir waren heute die bessere und vor allem die ausgeglichenere Mannschaft.“ Zum Abschluss ging der Dank beider Kapitäne noch an die Ausrichter aus Eichenhüll, die „einen tollen Job“ gemacht hatten sowie an die fairen und lautstarken Zuschauer und Fans.
Im zweiten deutsch-deutschen Viertelfinale setzten sich die Chambtalkegler aus Raindorf um den Ex-Zerbster Mathias Weber mit 5,5:2,5 gegen Bamberg durch und sicherten sich ebenso den Platz im Halbfinale wie Zeleziarne Podbrezova (SVK) trotz einer 3:5-Rückspiel-Niederlage bei KK Zapresic (CRO).
Ein Finalturnier der Champions League ohne den SKV ist fast undenkbar. Auch bei der 14. von 15 möglichen Teilnahmen sind die Rot-Weißen wieder dabei und kämpfen im ungarischen Pápa um die Krone im Classic-Kegelsport. Hoffentlich, wie im vergangenen Jahr in Bamberg, erfolgreich.

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