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Krimi mit Glück und Können entschieden

Der Meisterschaftssekt darf wohl schon einmal kalt gestellt werden. Die Titelverteidigung, bereits zum 15. Mal, wird immer wahrscheinlicher. Mit einem 5:3 (3719:3714)-Last-Minute-Sieg gegen den direkten Titel-Konkurrenten SKK Chambtalkegler Raindorf haben sich die Kegler des SKV Rot Weiß Zerbst in einem wahren Kegelkrimi den Weg zur Meisterschaft gebahnt.
Doch was bis dahin auf den Bahnen in Raindorf passierte, ließ selbst den abgebrühtesten Kegelfan ins Schwitzen und in ein Wechselbad der Gefühle geraten. Denn nachdem die starken Oberpfälzer um den ehemaligen Zerbster Mathias Weber in Zerbst mit gerade einmal sechs Kegeln Vorsprung gewonnen hatten, setzten sie die Rot-Weißen auch im Rückspiel anfangs extrem unter Druck und sahen lange Zeit wie die Sieger aus.
„Das war wieder so ein Spiel, wo wir wirklich gute, starke Phasen manchmal viel zu schnell wieder zunichte gemacht haben. Aber wir haben immer an den Sieg geglaubt“, analysierte Teamchef Timo Hoffmann, der „bewusst dieses Mal die Rolle des Trainers und nicht des Spielers“ übernommen hatte, nach dem Spiel.
Im Startpaar musste sich Christian Wilke (611) wegen nur einer schwachen Bahn seinem Nationalmannschafts-Kollegen und Youngster Tim Brachtel (613) knapp 1,5:2,5 geschlagen geben. Da gleichzeitig Weber (641) mit dem Tagesbestwert Robert Ernjesi (607), der ebenfalls eine „Grottenbahn“ erwischte, mit 3:1 Sätzen bezwang, waren die SKV-Recken bei 0:2 Mannschaftspunkten (MP) und 36 Minus-Kegeln schon erheblich ins Hintertreffen geraten.
Im Mittel-Durchgang schwankten die Duelle von Bahn zu Bahn auf und ab. Sowohl die Zerbster Marcus Gerdau und Manuel Weiß, als auch die Raindorfer Daniel Schmid und Michael Kotal, spielten nicht über die gesamte Spieldauer auf gleichmäßigem Niveau. Gerdau musste sich Schmid bei Satzgleichstand amA Ende knapp mit 613:632 geschlagen geben. Umgekehrt gewann der insgesamt konstantere Weiß sein Duell bei 2:2 Sätzen gegen Kotal mit einem starken Schluss-Spurt mit 621:597 Kegeln.
So lagen die Gastgeber mit 3:1 MP und 31 Kegeln vorn. Alles war für beide Teams noch möglich, die Schluss-Spieler mussten über Sieg und Niederlage oder gar ein Unentschieden entscheiden.
Doch auch hier zeichnete sich bis zu den letzten Würfen keine Entscheidung ab. Die Raindorfer hielten den SKV lange Zeit bei den Gesamtkegeln auf Distanz. Ein Duell in „Wellenbewegungen“ gewann Jürgen Pointinger bei 2:2 Sätzen gegen den Tschechen Milan Svoboda bei 633:616 Kegeln. Dabei holte er im letzten Satz nicht nur den entscheidenden zweiten Punkt, sondern auch ganz wichtige 14 Kegel heraus.
Gleichzeitig behielt der zweite serbische Weltmeister in den Reihen des SKV, Igor Kovacic, gegen Manuel Lallinger die Nerven, gewann den letzten Satz zum 3:1-Duellsieg bei 634:615 Kegeln und ließ die Zerbster mit dem letzten Wurf über die fünf mehr erzielten Gesamtkegel und den Sieg des Titelverteidigers jubeln.
„Wir sind immer dran geblieben, haben nie aufgegeben und in der einen oder anderen Situation auch mal das Glück gehabt, das es braucht“, fand Hoffmann die Gründe für den Erfolg. „Die Mannschaft hat Charakter gezeigt und den unbändigen Glauben und Willen auf den Sieg.“
Gleichzeitig zollte der Zerbster Mannschaftsleiter dem Gegner „absoluten Respekt“. „Die Raindorfer spielen eine wahnsinnig starke Saison. In beiden Spielen gegen uns war es ein Fight auf Augenhöhe mit nur ganz kleinen Unterschieden so oder so herum. Sie haben sich eine Spitzenplatzierung wahrlich verdient.“
Durch diesen Sieg konnten sich die Rot-Weißen in der Bundesliga-Tabelle nach Minuspunkten deutlich von den Raindorfern absetzen. Bei jetzt bereits vier Minuspunkten Vorsprung auf Raindorf und Hallbergmoos, gegen beide spricht auch die Statistik der Mannschaftspunkte deutlich für Zerbst, haben die SKV-Kegler alle Karten zur Meisterschaft in der eigenen Hand.
„Jetzt wollen wir das auch durchziehen und am besten alle drei Heimspiele gewinnen. Davon bin ich auch absolut überzeugt. Die WM-Fahrer können die dann auch gleich noch zur Vorbereitung nutzen“, blickte Hoffmann auf die kommenden drei Wochen voraus.
Die 15. Titelverteidigung wird immer wahrscheinlicher. Der Meisterschaftssekt darf wohl, bei aller Konzentration auf die ausstehenden Spiele, schon kalt gestellt werden.

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