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16. Titel infolge, zwei Rekorde und Weltbestleistung

Am späten Sonnabend-Nachmittag hallten altbekannte Gesänge durch die Heimspielstätte der Zerbster Kegler. „Deutscher Meister ist nur der SKV …“ sangen die Rot-Weißen nach dem überragenden Auftritt gegen „Kellerkind“ Kaiserslautern. Denn mit dem 8:0-Sieg bei über 650 Kegeln Vorsprung (4238:3587) hatten die SKV-Recken vorzeitig zum nun 16. Mal hintereinander die deutsche Mannschaftsmeisterschaft gewonnen. Und das mit einem Auftritt, der mehr als meisterlich war.
4238 Gesamtkegel
Denn die 4238 Gesamtkegel bedeuteten nicht nur einen neuen Bahnrekord in Zerbst und einen Bundesligarekord, sondern gleichzeitig eine inoffizielle Weltbestleistung (Weltrekorde können nur bei internationalen Wettbewerben aufgestellt werden, d. Red.). Dabei überboten die Rot-Weißen die eigene, im vergangenen November aufgestellte Bundesliga-Topmarke gleich um 127 Kegel.
„Ich glaube, dieses Ergebnis werde ich wohl erst in einigen Wochen begreifen“, meinte ein überwältigter Zerbster Kapitän Timo Hoffmann. „Ich habe nicht für möglich gehalten, dass ein solches Ergebnis überhaupt geht. Dieser Rekord bleibt, zumindest auf nationaler Ebene, sicher lange bestehen.“
Das erste Highlight des Tages – und wie sich später herausstellen sollte auch das größte der gesamten Partie – präsentierten gleich zu Beginn die Startspieler beider Teams. Manuel Weiß (678) ließ beim 3:1 Florian Wagner (629) keine Chance. Doch parallel dazu zauberte sein Team-Kollege Christian Wilke eine Spitzenbahn nach der anderen (198, 175, 193, 183) auf die Zerbster Anlage. Da konnte selbst der sehr starke Christian Klaus (694), der das beste Resultat der Gäste erzielte, nur neidvoll zuschauen. Selbst seine 193 Kegel auf der dritten Bahn reichten nur zu einem halben Satzpunkt. Wilke verbesserte mit wahnsinnigen 749 Kegeln seinen eigenen Bahnrekord und verpasste den Einzel-Bundesligarekord des Markranstädters Sebastian Hartmann (750) nur um ein Holz.
Das Spiel war bei über 100 Kegeln Vorsprung bereits vorentschieden. Doch offensichtlich hatten die guten Ergebnisse im Startpaar und vielleicht auch die Lockerheit ob des für die Meisterschaft vorentscheidenden knappen Sieges in der Vorwoche in Raindorf die Zerbster dermaßen angestachelt, dass es auch im Mitteldurchgang Weltklasse-Resultate zu bestaunen gab.
Dominik Kunze fertigte mit starken 679 Kegeln Andreas Nikiel (588) mit 4:0 ab. Gleichzeitig kratzte Marcus Gerdau (699) gegen den überforderten Dirk Barz (464) ebenfalls an der magischen 700er Marke. Die Gäste hatten bis zu diesem Zeitpunkt ganze 1,5 Sätze gewonnen und lagen nun bereits mit über 400 Kegeln im Hintertreffen.
„Wahnsinn“ ohne Ende
Doch der „Wahnsinn“ sollte auch im letzten Durchgang kein Ende nehmen. „Wir wollten unbedingt 8:0 gewinnen, um gegen Raindorf auch rechnerisch die Meisterschaft endgültig perfekt zu machen. Das zeigt auch wieder den Charakter meines Teams. Selbst bei fast entschiedener Bundesliga haben alle absolut Lust aufs Kegeln und hängen sich voll rein. Der Sieg in der Vorwoche hat uns natürlich freier aufspielen lassen“, meinte Hoffmann zur Motivation seiner Rot-Weißen.
Vollgas für letzte Spiele
So pirschte sich auch der Teamchef selbst mit 697 Kegeln sehr nah an die magischen 700 heran und gewann souverän gegen Pascal Kappler (593). Und wie zum Beginn Wilke zauberte zum Schluss auch noch Jürgen Pointinger mit überragenden 736 Kegeln einen weiteren Weltklasse-Wert auf die Bahnen des „Stadtwerke Kegelsportcenters“. Er pulverisierte seine persönliche Bestleistung und ließ auch Sebastian Peter (619) keine Punktechance.
Als die Nachricht von den zwei abgegebenen Mannschaftspunkten der Raindorfer in Wernburg bekannt wurde, konnte endgültig über den nun auch rechnerisch in trockenen Tüchern befindlichen 16. Deutschen Meistertitel für den SKV gejubelt werden.
„Aber wir werden auch die letzten beiden Spiele noch mit Vollgas angehen. Für beide Gegner und auch Raindorf geht es da ja noch um das internationale Geschäft. Da gebietet es die sportliche Fairness, dass wir auch hier versuchen werden, beide Spiele zu gewinnen“, meinte Hoffmann vorausschauend.
Und dann feiert sich ja ein Titelgewinn am 14. Mai nach dem Spiel gegen Breitengüßbach auch besser, wenn vorher gut gespielt und gewonnen wurde. Ob auch dann wieder diese wahnsinnigen Regionen im Team-Kegelsport erreicht werden können? Die Zerbster Fans und Zuschauer würden sich sicher freuen.

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